Die frühe Mode des 18.Jahrhunderts

Jo B. | Mode von Früher
5 Okt 2011

Die Mode des frühen 18. Jahrhunderts spiegelt den Übergang vom Barock zum Rokoko wieder. Der überschwängliche Barock mit seinen runden und üppigen Formen wurde ebenso in der Kleidung wie in der Architektur verfeinert und bekam leichtere Formen. Damals wie heute ging die neuste Mode natürlich von Paris aus. Der Tod Ludwigs XIV., der sich als den Sonnenkönig bezeichnete und den Adel immer in seinem Prunkbau Versailles versammelt hatte, nahm auch Einfluss auf die Mode, denn unter Ludwig XV. zerstreute sich der Adel über ganz Paris und pendelte zwischen den eigenen Stadtpalais und Versailles. Diese neue Freiheit und Mobilität sollte sich auch in der Kleidung ausdrücken. So legte der französische Adel immer größeren Wert auf Kleidung, die zwar extrem aufwändig war, aber natürlich und leicht aussehen sollte.

Lange war der Adel gezwungen gewesen, dem Hofzeremoniell entsprechend die steifen und schweren Kleider des Barock zu tragen. Nun wurde mehr Wert gelegt auf raffinierte Details, Bequemlichkeit und Verspieltheit. Eine Dame des frühen 18. Jahrhunderts verwandte viel Zeit darauf, natürlich und ungezwungen auszusehen, was der Landbevölkerung in ihren einfachen Kitteln aus groben Stoffen mehr als komisch vorgekommen sein muss.

Um 1715 kam der Reifrock auf, von dem moderne Frauen sich heute fragen, wie man darin sitzen konnte. Da der Reifrock die gleiche Form aufwies wie die geflochtenen Hühnerkörbe, in der Bauersfrauen ihre Hühner zu Markte trugen, wurde er im Volksmund Panier genannt. Über diesen Reifröcken, die im Laufe der Jahre immer wieder ihre Form änderten, wurden lange einteilige Kleider getragen, die vorne verschlossen wurden. Manches Kleid war so aufwändig, dass die Dame, die es tragen wollte, von ihren Kammerzofen darin eingenäht wurde bis zum Abend. Am Rücken fallen Rokokokleider meist auf durch einen kunstvollen Faltenwurf, die Ärmel gingen nur bis zum Ellenbogen, liefen aber in weiten Aufschlägen aus, die an Flügel erinnerten. Die Stoffe konnten gar nicht edel genug sein und so hüllte man sich natürlich in Seide, Taft, Damast und Satingewebe. Der letzte Schrei war die Pracht der floralen Muster, die auf die Stoffe aufgedruckt wurden.

Die Herrenmode konnte neben solchen Roben natürlich nur verblassen, die Westen allerdings waren je nach Anlass prunkvoll bestickt, während die Spitzenmanschetten und der Spitzenbesatz des Kragens unter dem Justaucorps genannten Überrock hervorblitzten. Unverzichtbar war die Kniehose mit Seidenstrümpfen, die den adeligen Herren vom gewöhnlichen Bauern oder Handwerker unterschied. Setzten die Damen im frühen Rokoko auf natürliche Haarpracht, so war ein Herr ohne Perücke damals geradezu nackt.

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